Nachdem der letzte Zug aus dem Südbahnhof bereits vor einer Woche abgefahren ist, schwung man heute zu fetten Beats auf dem bunt gefleckten Steinboden das Tanzbein. (Hier ein paar Bilder aus vergangenen Jahren) Auf zwei Floors wurde mit heißer Musik die kalte Nacht zum Glühen gebracht. Im alten Bahnhofsrestaurant gleich neben der Ostbahn sowie oben bei den Gleisen der Südbahn legten die DJs auf. Die große Halle bot Raum für Pausen zwischen den Floors. Der Andrang war groß, bereits zur um 21 Uhr zur Kassenöffnungszeit standen die Schlangen vor den original ÖBB-Schalter der Südbahnhofhalle und kauften sich eine “Fahrkarte” ins musikalische Vergnügen. Als ich spät in der Nacht den Bahnhof verließ, waren noch immer Schlangen angestellt und wollten unter die rund 1.500 feiernde Menge ins Innere gelangen, die den Bahnhof bereits ordentlich einheizte. Ein einmaliges Flair zum Abschied des Südbahnhofes auf der Südplattform. Ein paar Fotos von den Anfängen des Abends am Südbahnhof…
Heute ist der letzte Zug aus dem Wiener Südbahnhof um 23.50 Richtung Mürzzuschlag abgefahren und der letzte Zug aus Maribor kommend erreichte um 00.05 sein Ziel, den Südbahnhof zum letzten Mal. Der Südbahnhof sah schon schönere Tage als jene in den letzten Jahren, wo er sein Dasein mit dem Prädikat dem “schirchsten Bahnhofs Österreichs” bis zu seiner Schließung heute fristete. (Ein paar Fotos von 2008 vor der Schließung) Der Bahnhofsbau war als große lichte Halle mit viel Stein vom Architekten Heinrich Hrdlicka 1955 gebaut. Von jenem Glanz aus dieser Zeit blieben nur mehr die großen roten Marmorplatten der Wandverkleidungen und die bunten Steinchen der Bodenbeläge. Im Kontrast dazu die silber-chromfarbigen gläsernen Türen und granitfärbigen Stufen, die den kommenden Fahrgast in Kaskaden vom Eingang in die Etagen des Ostbahnhofs und Südbahnhofs führen. Jene Stiegen wurden in den letzten zwanzig Jahren durch Förderbänder quer durch den großen Raum ergänzt und auch die Augen des Künstlers Kurt Hofstetter beobachteten jeden Passagier. Diese Änderungen und der gleichzeitige Verfall und Schmutz, der nie beseitigt (die Glasplatten und das Glasdach, welches man kaum mehr als solches erkannte) wurde oder nur durch Flickwerk (man beobachte die Bodenausbesserungen) führten dann zu dem was er die letzten Jahre war: Der schrichste Bahnhof Österreichs. Nur der Markuslöwe in der Halle erinnerte noch an die vergangene Zeiten, als die Züge aus Triest und Venedig kommend über die Südbahn und dem Semmering Wien erreichten. Der Südbahnhof war eine Kuriosität, wollte man mit ihm doch nach dem Krieg zwei Bahnhöfe – den Südbahnhof sowie den Ostbahnhof (Raaber Bahn) in ein Gebäude vereinen. Der Raum zwischen den zwei ursprünglichen Bahnhöfe bildete die neue große Halle, die jetzt abgerissen wird.
Heute war ich am Südbahnhof vor Ort als die großen Letter in der Front der Halle demontiert wurden – eine Fotoreportage von den Ereignissen am letzten Betriebstages des Südbahnhofes.
Vom hohen Waldviertel kommend zogen wir über die Serpentinen des Seiberers in das Donautal und besuchten Dürnstein, Weißenkirchen und Sankt Michael. Bisher waren jene Orte nur als Durchfahrt von Wien kommend ins Waldviertel bekannt – dies soll sich ändern, weshalb wir einen ausgedehnten Ausflug in jene Städte und Orte an der Donau unternahmen. Den ersten Halt bildete Dürnstein – bekannt wegen der markanten Stiftskirche am Ufer der Donau und der Burgruine, in der nach der Legende König Löwenherz von England gefangen war. Anschließend besuchten wir auch Weißenkirchen mit der gotischen Wehrkirche, die vom Hochwasser geschützt auf einen Hügel tront. Was für Auswirkungen das Hochwasser haben kann, sieht dies an der Kirche von Sankt Michael, ein paar Stromkilometer aufwärts: Dort flüchteten nach der Legende die Hasen auf das Kirchendach – man sieht sie noch heute als versteinerte Hasenfiguren am Dachgiebel, da sie sich nicht mehr hinunter trauten. All dies sieht man in der Fotoreportage aus der Wachau…
Die ungarischen Königinnen haben in Veszprém (Wesprim, Weißbrunn) ihre eigene Krönungsstadt. Bereits die Königin und Gemahlin Gisela (Gizella) vom ersten ungarischen König, dem Heiligen Stephan (Szent István Kirlály) wurde bereits hier im Dom mit einer eigenen Königinnenkrone gekrönt. Jene Tradition hielt sich bis zum Einmarsch der Türken 1526 (Mohács). Neben der Krönungsstadt war Veszprém auch der älteste Bischofssitz in Ungarn. Die Basilika hat eine wechselvolle Geschichte, da sie seit ihrer Gründung bis heute nach Zerstörungen (Brände, Erdbeben, Kriege,…) mehrmals neu errichtet wurde. Erst zu Ende des 19. Jahrhunderts wurde versucht die damlige barocke Kirche wieder in den ursprünglichen romansich-gotischen Zustand zu Giselas Zeiten zurückversetzen. Ausschlaggebend war hierfür ein Brand und so sehen wir heute eine Neo-Romanisch-Gotische Kirche. In der Stadt ist auch eine der ältesten ungarischen Universitäten zu finden, die jedoch zu anfänglicher Zeit nicht die traditionellen vier Fakultäten hatte, weshalb Pécs als älteste ungarische Universität gilt. Aus modernerer Zeit stammt das Veszprémi Nemzeti Színház (heute Petőfi Színház), welches der Otto-Wagner-Schüler Medgyaszay István im Sezessions- und Jugendstil errichtete. Den besten Überblick über die Stadt erhält man auf der Spitze des markanten Stadtturmes bzw. Feuerturmes (őrtorony, tűztorony). Ein Eindruck über die Stadt bietet die Fotoreportage…
Einen imposanten Blick über die Engstelle des Plattensees zwischen Szántód und Tihany bekommt man auf der erst kürzhlich errichteten Autobahnbrücke bei Kőröshegy. Das schaurig-imposante Betonbauwerk mit zahlreichen monströs grauen Stützpfeilern erlaubt einen Blick vom Badacsony bishin über die ganze (!) Halbinsel Tihany mit ihren erloschenen Vulkanbergen und Wäldern. Jene Autobahnbrücke (M7-es autopálya kőröshegyi völgyhíd) spannt einen rund zwei Kilometer langen Bogen über das Tal von Kőröshegy. Während unten das Dorf mit seinen zwei Kirchen (eine hiervon gotisch) schlummert, dröhnt oben der Verkehr am Weg nach Budapest, Siófok oder Nagykanizsa und Kroatien. Man fragt sich, warum so ein kostspielig und nicht gerade ästhetisch anmutendes Brückenwerk hier gebaut werden musste, wo Ungarn in der Pannonischen Tiefebene als brettleben - ohne nennenswerte Berge – gilt. So existieren rings um den Plattensee doch ein paar Hügel – niedrige Berge. Konzipierte man die Autobahn ursprünglich direkt entlang den Sees mit Strecken quer durch die Ortschaften, so besann man sich vor der Fertigstellung vor paar Jahren doch auf eine Lösung abseits der Ortschaften, die jedoch durch die Hügelkette führte, weshalb es dann zu jener “Alpenautobahn” am Balaton kam.
Sie mag für viele Augen ein Schandfleck in der Natur sein, doch hat man von ihr den neusten und einen der schönsten Ausblicke über den Plattensee. Leider gibt es von dieser Aussicht kein Foto, da hohe Eisenpfeiler am Fahrbahnrand ein Stehenbleiben zum Fotografieren verhindern. Wie die Brücke aber verläuft, sieht man auf jenen Fotos…
Besucht man Bad Gastein, so assoziiert man meist damit eine Kur mit radonhaltigem Thermalwasser oder den Besuch im Heilstollen mit Radongasen – und auch das Skivergnügen auf der Schloßalm, im Naßfeld oder auf dem Stubnerkogel. Ein kurhaft-luftiger Nebeneffekt ist bei beiden Varianten genießbar: die positiven Ionen, die die Wasserfälle der Gasteiner Ache durch ihre Reibung an den Felsen hervorbringen. Die im Tal vermehrt vorkommenden negativen Ionen werden dadurch verdrängt und es entsteht ein gesundheitsförderliches “Ionenklima”.
Trotz jener positiven Bilanz breitet sich im Ortszentrum Bad Gasteins ein negatives Bild aus, der durch einen Streit geprägt ist: Viele der alten Villen und Prachtbauten wie das Badeschloß, das Postgebäude, das Hotel Straubinger und Haus Austria inklusive dem Kongresshaus wurden von Bauzäunen und Absperrungen durch ihren neuen Investor und Besitzer aus Wien umgeben. Die Geschäfte sind ausgezogen bzw. verschlossen und ein Teil des Ortes erinnert ein wenig an eine verlassene Westernstadt. So auch der Konflikt, der hier nicht mit Pistolen, sondern in der Politik ausgetragen wird: Die Ortschaft mit dem Bürgermeister steht dem neuen Immobilienbesitzer gegenüber, dessen momentane Absichten rund um die Gebäude nicht mit einem funktionierenden Ortszentrum übereinstimmen. Der Landeskonservator ist bedenklich gestimmt, denn nicht nur die Ortschaft, Bewohner und Gäste leiden unter dem verwaisten Zentrum, sondern auch die Gebäude selbst, die unter dem Leerstand immer desolater werden.
Erster kurzer Besuch in Linz09. Während Graz im Jahr 2003 als Kulturhauptstadt in allen Medien nach ihrem Motto: Graz darf alles. Nur nicht unbemerkt bleiben. - in allen Medien überpräsent war und selbst in Wien mit dem Sujet„Willkommen in Wien, dem schönsten Vorort von Graz“ warb, so geht es Linz gemächlich und ruhig wie ein Donaudampfer an und bestätigt die Stereotypen über Linz wie dem der ewigen Haltestelle (Linz an der Tramway) durch die Ausstellung Nur durchgereist im Adalbert Stifter Haus, wo man Erlebnisse verschiedener Größen mit Linz nachgehen kann – wie zum Beispiel von Alfred Polgár, der meinte von Linz kenne er nur den Bahnhof und die Linzer Torte, oder Herzmanovsky-Orlando, der schrieb „Linz ist bloß eine sehr, sehr große Haltestelle“. Die Eröffnung der Pöstlingbergbahn mit ihren neuen modernen zeitgemäßen Wägen und der gezeigten Verbundenheit zur alten Tradition durch edel gestaltete Fahrzeuge mag diesen Eindruck der Durchfahrt und Haltestelle verstärken. Wenn man jedoch sich traut auch hinter die Kulissen zu blicken, so wird man feststellen, das auch Linz ein Programm der Vielfalt bietet, was langsam in Fahrt kommt – so auch Höhenrausch (siehe Foto) wo man Linz über den Dächern mit einem Riesenrad am Offenem Kulturhaus Oberösterreich erkunden kann. Ab Juni ist auch das neu renovierte Schloßmuseum ein Anziehungspunkt neben dem Lentos Museum am Donauufer gegenüber vom Ars Electronica Center, wo auf dem neuen Haus ein Café am Dach einen Blick über Linz und die Donau freigeben. Weitere Besuche folgen – bis dahin die erste Fotoreportage…
Die Stadt Zwettl am Zusammenfluss von Kamp und dem Fluß Zwettl gelegen war bereits vor dem 11. Jahrhundert eine slawische Siedlung bevor die Kuenringer begannen hier die Gegend zu besiedeln und das mittelalterliche Zwettl mit seiner Stadtmauer und den Türmen zu gründen. 1200 bekam Zwettl das Stadtrecht verliehen. Die imposanten Wehranlagen aus Stadtmauer, Türmen und Graben sind auch noch heute auf einer Länge von 900 Metern und sechs Stadttürmen erhalten. Viele der alten Häuser in der Stadt wurden in die Stadtmauer “eingebaut”, sodass bei vielen Umbauten alte versteckte Stücke der Mauer zum Vorschein kommen. Ein Fotobericht der Innenstadt Zwettls und der alten Stadtbefestigung…
Neue Einsichten und Ansichten von den Gasometern bekam ich diesen Sonntag, als für die Dreharbeiten für einen japanischen Werbespot ein Filmteam aus 30 Leuten mit viel großem Gerät die Gasometer einen Tag besuchten. Neben Aufnahmen in den Gasometern gab es auch schöne Aussichten aus der Ferne – vom Dach eines Gebäudes in näherer Umgebung. Jene Ansichten sind neu und bisher ungewohnt. Für 30 Sekunden wurden mehrere Tage in Wien gearbeitet – beim Gasometer selbst rund 3 Tage. Eine Fotoreportage zeigt jene Bilder und die Dreharbeiten…
Berlin-Kreuzberg, Cuvrystraße - das Revier der Stadtaffen
Bevor die Medienakademie in Berlin los ging unternahm ich mit Alida und József in Berlin Entdeckungsreisen. Eine davon führte nach Kreuzberg in die Cuvrystraße, wo Peter Fox mit seinen Stadtaffen im Club Lido Alles neu musizierte. Eine Fotoreportage zeigt jene Gegend, wo die Stadtaffen herumzogen und mit den Filmorchester Babelsberg für Stimmung sorgten. Weiter zur Fotoreportage…
Für all jene, die Peter Fox und die Stadtaffen nicht kennen, hier das Video:
In Debrecen lernten sich Anikó, Lisa, Johanna und ich an der Universität 2007 im Februar kennen, wo wir gemeinsam Finno-Ugristik bzw. Ungarisch studierten. So kann man förmlich sagen, dass der Auslöser für meine Deutschland-Nordrundfahrt nach Hamburg die Ungarische Sprache ist, obwohl jene eher in einer Minderheit jenseits der 1-Prozent-Marke in Hamburg gesprochen wird. Vielmehr wird dort in Containern und Schiffen am Hafen verkehrt und in gewisser Weise nächtens auf der Reeperbahn. Trotz dieser Distanz zwischen Elbe und panonnischem Becken gibt es verbindende Elemente nach Ungarn: Das Institut für Finno-Ugristik an der Unversität Hamburg. Ein kleines Gebäude inmitten eines Villenviertels am Rande des Universitätscampus gelegen – ähnlich der Universität Debrecen beim Nagyerdő mit den Villen der ehemaligen Nomenklatura – lehrt man hier Ungarisch und Finnisch neben paar kleinen exotischen Sprachen, die nur dies- und jenseits des
Verladen von Waren in der Speicherstadt
Urals gesprochen werden und bei ihren Namen wie Wogulisch, Chantisch, eher an Star Treck als an rentier- und fischzüchtende Völker in Russland erinnern.
Nun, ich schweife ab – wieder zurück nach Hamburg, wo man es auch mit dem Fisch zutun hat – insbesondere am Fischmarkt und am Hafen. Der Hafen war offen, der Fischmarkt leider zu, denn jener hat nur am Sonntag geöffnet. Für meine nächste Hamburgreise muss ich einen Sonntag einplanen. (merken!) Hamburg war eigentlich eine Zwischenstation auf meiner Reise von Wien nach Berlin zu einer Medienakademie, wo ich Rhetorikseminare besuchte. Auch wenn Hamburg vielleicht nicht ganz auf der Strecke zwischen Wien und Berlin per Eisenbahn liegt, fuhr ich zuerst nach Hamburg (über Berlin) für ein paar Tage, bevor ich dann wieder nach Berlin zur Medienakademie zurückfuhr.
Speicherstadt, Hamburger Hafen
Wie es der Zufall so will wohnte ich im schönen Stadtteil Altona – neben Stadtspaziergängen mit Lisa, Anikó und Johanna gingen wir auch zum Hafen. Der Hafen Freudenau oder auch jener in Krems ist ein Plantschbecken dagegen. Man weiß nicht, wo der Hamburger Hafen anfängt und wo er aufhört, hinter jeder Ecke beginnen neue Container wie Legosteine zu Türmen zu bauen und weitverzweigte Kanäle mit Docks zu öffnen. Faszinierend ist jene Backsteinarchitektur, die alles in einen architektonisch einzigartigen Rahmen setzt – vom Kontorviertel, wo einst die großen Broker aller Waren handelten bishin zur Speicherstadt und der Innenstadt ist alles aus Ziegelfassaden geschaffen. Beim Chilehaus sieht man die vollendete Perfektion, wenn man einer Hausecke begegnet, so spitz und scharf wie eine Rasierklinge. Man muss sich dafür die Fotos ansehen.
Reeperbahn, St. Pauli in Hamburg
Am Abend kehrten wir in einem Pub in der Nähe von St. Pauli ein, wo Anikós und Lisa mit Freunden bei einer Quizliga mitmachte. Davor gingen wir aber noch auf die Reeperbahn. Bisher kannte ich jenes nur in diversen Spiegel TV oder Focus TV Reportagen – die Tankstelle, den Supermarkt, die Polizeiinspektion – und die vielen Lokale.
Am nächsten Morgen ging es noch ins Café Paris aus dem 19. Jahrhundert – eigentlich ursprünglich eine Fleischhauerei Metzgerei. Dort serviert der Ober nicht nur gebrühten Kaffee im Kännchen, sondern richtig starken Kaffee wie man es in Wien oder Ungarn gewohnt ist.
Café Paris in Hamburg
Zum Schluss etwas Banales: Hamburg hat die literarisch-kreativsten Mistkübel Mülleimer. Neben ihrem Zweck der Müllaufnahme befindet sich ein Spruch auf diesem Stadtmöbel. (Vorsicht: Mistkübel ist in Hamburg unbekannt und kann Gelächter verursachen!)
Der Wiener Wurstelprater ist ein historisch gewachsener Ort mit Geschiche – von Basileo Calafati über den Wurstel und dem Riesenrad verbindet viel mit diesem Vergnügungspark, der durch seine Nostalgie und seinem zum Teil alten morbid-wienerischen Charakter bestach. Bestach? Ja, denn wer jetzt seit 2008 den Prater besucht wird von jenem Flair nicht mehr viel spüren. Der Platz, an dem Basileo Calafati einst sein Ringelspiel betrieb und nach dem Krieg als Andenken die Statue des “Großen Chinese” Calafati die Wurstelpraterbesucher begrüßte und rundherum sich Autodrom neben Geisterbahn, Ringelspiel und Hochschaubahn reihten regiert jetzt der Kitsch in höchster Konzentration. Selbst der nach modernen prinzipien mit einer stilvollen Architektur kurz nach 2000 gestalteten Eingangshalle des Riesenrades wurde hinter einer Kulisse aus Jungendstilimitationen in billigem Papmaché kaschiert. Klimt, Loos, Otto Wagner und die ganze Wiener Werkstätte würde sich im Grab umdrehen, wenn sie jenes architektuelle Kulturjuwel aus Grete Laskas Ideenreichtum zu Gesicht bekämen – dies blieb ihnen erspart. Fotos gibt es von jenem sogenannten neuen Riesenradplatz keine – das sind sie einfach nicht Wert – genausowenig wie die 32 Millionen Euro, die Schaffung jener Kulissenstadt investiert wurde. Ohne Ausschreibung und ohne Wettbewerb – denn zweifelsohne wäre so eine Kitschbude im Falle eines Wettbewerbes nicht weiter als über das Planungsstadium hinausgekommen.
Mit einer gewissen Herausforderung wartet jener neue Riesenradplatz seinen Besuchern auf: Als potentieller vergnügungssuchender Mensch findet man den Eingang nicht so einfach von der neuen U-Bahnstation am Praterstern kommend wie bisher. Konnte man sich noch vor dem Umbau am Riesenrad orientieren ist dieser Hinweis jetzt nicht mehr ganz zielführend. Ob es Absicht ist die Besucher so zuerst durch den Irrgarten der Ampeln und Übergänge der größten Kreuzung Wiens im Kreis zu leiten ist fraglich. Findet man dann trotz der Irrwege den richtigen Pfad zum Wurstelprater, schreitet man über einen dunklen, kaum beleuchteten Weg flankiert von einer Tankstelle links, einer großen scheppernden U-Bahnentlüftung rechts und einigen anderen Containern beidseitig zum Riesenradplatz, wo mit großen Lettern “Herrrreinspaziert” über dem Portal zu lesen ist. Der Zugang, ein herber Kontrast und Willkommensgruß zur Kitschbude, wo jener Weg im 32 Milliionen Desaster endet.
Derzeit prägen große gespannte Segel mit Projektionen, viele anregende Lichtinstallationen und ein Klangteppich aus vielen Farben das gotische Innere des Stephansdomes. Die Kanzel mit Meister Pilgram und dem Fenstergucker ist in ein ultraviolettes Blau gehüllt.
Jeder Mensch kann für einen anderen Menschen zum Engel werden
Eine Fotoexkursion quer durch Wien fand am Flohmarkt neben dem Naschmarkt sein Ende, bevor es nocheinmal in die tiefe Unterwelt der Station Südtiroler Platz ging. Jene Station, ein Urgestein der Wiener U-Bahn aus der Anfangszeit befindet sich derzeit im Umbau – der Flohmarkt hingegen hat seine konstante Größe an jeden Samstag – man findet hier Nichts und doch Alles, ein breites Angebot an Waren erstreckt sich über dem nackten Asphalt oder auf aneinandergereihten Tischen und wartet auf seine neuen Eigentümer. Die Präsentation der Waren nimmt bei manchen Ständen marketingtechnisch seltsame Formen an – die Bilder der Fotoreportage zeigen hier ein sehr variationsreiches Bild…
Der Standard war an einem Märztag vor dem großen Sturm Emma bei mir zu Gast, um Wien von oben über die Gasometer zu erblicken und darüber im Online-Standard eine Fotoreportage zu erstellen. Vom eingerüsteten Steffl des Stephansdomes über die neu errichteten Gebäude rings um die Gasometer gibt die Reportage einen breiten überblick – doch seht hier selbst im Standard…