Fuchur in Ungarn – eine unendliche Geschichte. So titelt die deutsche Zeitschrift Rehatreff einen Bericht über Andreas Pöschek, sein Blog, die Fotografie, das Reisen und das Studium in Debrecen. Wenigstens ist letzteres mit der Sponsion im Mai zu keiner “unendlichen Geschichte” geworden. Der Artikel aus dem Rehatreff ist hier als PDF zum Nachlesen abrufbar…
Nicht unweit von der ungarischen Grenze gelegen und auch von Graz aus leicht erreichbar liegt die kroatische Stadt Varaždin (deutsch Warasdin, ungarisch Varasd). Sie gilt als Tor zur historischen Steiermark und mit ihrer Festung als Bollwerk gegen die Osmanen. Berühmtheit erlangte die Stadt durch das Lied “Komm’ mit nach Varazdin, solange noch die Rosen blühn’…” aus der Operette Gräfin Marica von Emmerich Kálmán. Viel hat die Stadt mit der Operette nicht gemein, auch wenn sie mit ihrer Altstadt Barock geprägt ist und seit einigen Jahren in neuem Glanz erstrahlt. Einzig allein die Konditorei Gräfin Marica erinnert mit ihren Marica-Pralinen (nein, keine Kugeln) an die Operette. Dafür begrüßt ein seltsamer Kauz’ im Frack und Zylinder die Passanten mit seiner Drehorgel, wie im Bildbericht zu sehen ist.
Die ungarische Fassung der Operette kennt seltsamerweise Varasdin nicht, denn dort fährt man nicht nach Varasdin, sondern ins schöne Kolozsvár (Klausenburg, Cluj Napoca) in Siebenbürgen: Es heißt frei übersetzt: “wie schön ist Kolozsvár – diese Stadt ist so wunderbar…”
Was Pécs bei einem Spaziergang neben dem Phänomen Kulturhauptstadt noch zu boten hatte zeigen heutige Fotos der Reportage. So lernen sich echte und unechte Vierbeiner auf der Straße näher kennen und offene Türen zeigen Einblicke in sonst verschlossene Höfe hinter Lada und Mistkübel. Der Aspekt aktueller Technik wird durch wandelnde Windows-7-Mutanten bei einem menschlichen Kunstprojekt sichtbar. Hoffentlich stürzen diese nicht wie das Vorgängerbetriebssystem Vista oft ab, denn Pécs hat mit seinen steilen Stadtmauern viele Stolperfallen… Ein zweiter Streifzug durch die Kulturhauptstadt Pécs als Fotoreportage…
Nach Graz, Sibiu (Hermannstadt, Nagyszeben) und Linz ist jetzt Pécs Kulturhauptstadt Europas 2010. Das Vorhaben Kulturhauptstadt hat in Pécs viel bewegt – der einst zugeparkte und verstaubte mit Flutlichtern beleuchtete Széchényi tér hat eine Wandlung zu einem Treffpunkt gefunden und zieht mit seinen chilligen Sitzgelegenheiten die Leute zum Verweilen an. Überall herrscht leben – so auch in den Springbrunnen, die bei aktueller Hitze für spontane Wasserballspiele zur Abkühlung von Erwachsenen (!) und Kindern genutzt werden. Würde man dies in Wien tun hieße es gleich: Wo kämen wir dahin in einem Springbrunnen sich zu erfrischen…
Pécs wird durch das angenehme mediterane Klima beeinflusst und hat bis heute Spuren seiner türkisch-osmanischen Vergangenheit der Besetzung Ungarns erhalten. Gleich am Hauptplatz erblickt man die Gazi Khassim – Moschee (Gázi Kászim pasa dzsámija), die heute als christliche Kirche Verwendung findet. Spaziert man durch die Straßen der Innenstadt, so stößt man auf weitere ehemalige Moscheen und osmanisch geprägte Bauwerke aus dem 16. Jahrhundert.
Beim Flanieren durch die Janus Pannonius utca (Gasse) fällt Pécsbesuchern die große Zusammenrottung von Vorhangschlössern an allen freien Gittern, Laternenmasten, Pollern, Hauseinfahrten und Stromleitungen auf. Sie wurden nicht von Radfahrern vergessen, sind auch kein postmodernes Kunstwerk, sondern ein Zeichen der Verbundenheit Verliebter.
Den letzten Punkt im Besuch von Marlene und Pawel in Szeged bildete eine Besichtigung der Neuen Synagoge in Szeged. Diese Synagoge wurde am Anfang des 20. Jahrhundert vom jüdisch-ungarischen Architekten Leopold Baumhorn (Baumhorn Lipót), einem Schüler des Wiener Architekten Heinrich Ferstel im maurisch-mediterranen historisierenden eklektischen Stil gebaut und ist die viertgrößte Synagoge der Welt und die zweitgrößte Synagoge in Ungarn (nach der Großen Synagoge in der Dohnányi utca in Budapest). Neben der Neuen Synagoge steht die Alte Synagoge. Ein Fotobericht von der Synagoge in Szeged…
Kecskemét liegt zwischen Donau (Duna) und Theiß (Tisza) inmitten des Landstriches Kunság und ist für seine Jugendstilbauten bekannt. Besonders das sogenannte Cziffra-Palota besticht durch seine Ornamentik und Zsolnay-Blumenmotive aus Keramik an der Fassade. Im Stadtnamen steckt das Tier Ziege (Kecske), was sich als Wappentier auf vielen Gebäuden wie dem Rathaus und dem Theater wiederfindet. Ein Fotobericht aus Kecskemét…
Nicht weit von Szeged liegt die Bugaci Puszta, die Marlene, Pawel und ich besuchten. Als wir dann zwischen der Stadt Kecskemét, Theiß (Tisza) und der Kunság mit dem Auto herumtourten fanden wir auch den Bahnhof Jakabszállás – wir hätten hierher auch mit der Bahn fahren können. Ein Fotobericht aus der Puszta…
Gyula ist für seine spezielle Kolbász (Klobasse) bekannt. Was für Szeged die Pick-Salami ist für Gyula die “trockene Klobasse” Száraz Kolbász, eine wyrzige aromatische geräucherte trockene Wurst mit langer Haltbarkeit. Gyula lässt sich aber nicht alleine auf seine Kolbász reduzieren, stammt doch aus jener Stadt der Vater des weltberühmten und größten Grafikers bzw. Malers Albrecht Dürer. Albrecht Dürers Vater, Albrecht Dürer der Ältere hieß bevor er nach Nürnberg zog Ajtósi, was übersetzt “von Türer” bedeutet. Dürer der Ältere wurde 1427 in Ajtós, nahe Gyula geboren.
Wer es lieber süß mag findet in Gyula die älteste erhaltene Konditorei Europas (Százéves Cukrázda), die mit vollständig erhaltener originaler Ausstattung Biedermeier-Stil zu Krémes und Illy-Kaffee einlädt. Der gute italienische Espresso ist dem ungarn Ferenc Illy zu verdanken, der um 1930 von Budapest nach Triest zog und dort seine heute weltberühmte Kaffeerösterei Illy als Familienunternehmen gründete. Der beste ungarische Kaffee muss deshalb heute aus Italien importiert werden. In der Konditorei steht eine alte Biedermeier-Spieluhr mit Walzwerk und einer eingebauten Orgel, die verschiedene Stücke spielen kann. Hier ein Video von der Uhr:
Gyula erlebte auch eine recht stürmische Zeit zur Revolution 1848, als hier die ungarischen aufständischen Offiziere in der Burg gefasst und hingerichtet wurden.
Marlene, die anonyme Universitäts-Testerin der Hochschulen in Ungarn ist gerade in Szeged, was mich zu einem akademischen Besuch der Stadt an der Theiß (Tisza) führte. Bisher kannte ich die Stadt nur bei Hochwasser und schlechtem Wetter – diesesmal strahlte im April 2010 die Sonne und man brauchte keine Gummistiefel. Seit meinem letzten Besuch hat sich nicht viel verändert, außer der Wasserpegel – aber an einigen Ecken der Stadt wurden die schönen Häuser im Jugendstil aus der Sezession neu herausgeputzt und erstrahlen in frischen Farben. Ein Fotobericht von der Stadt und dem Besuch in Szeged…
Schon lange ist die Mittelwelle (MW) für den Radioempfang in Mitteleuropa aus der Mode und man vertraut Übertragungsmedien mit weniger Störungseinflüssen wie der Ultrakurzwelle (UKW) und der Kurzwelle (KW) für die fernen Kontinente. Seit 1933 prägten Masten die Silhouette des Bisambergs, einem der Hausberge Wiens. Nach den Zerstörungen infolge des 2. Weltkrieges wurde 1959 das heute vertraute Sendemastpaar errichtet und funkte mit den bekannten 1476 kHz (Südmast 120 Meter Höhe) und 585 kHz (Nordmast 265 Meter Höhe) das Radioprogramm des ORF auf Mittelwelle. 1995 wurde der Sendebetrieb eingestellt. Bis 2008 fanden noch zeitweise Übertragungen für Nachbar in Not sowie Minderheitenprogramme des ORF auf Radio 1476 statt. Danach kehrte Funkstille ein. Bald für immer, denn am 24. Februar 2010 werden die beiden Sendemasten gesprengt und abgetragen. Nur das unter Denkmalschutz stehende Sendegebäude aus dem Jahr 1933 bleibt mit der Sendeanlage stehen und soll der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Aber was ist ein Sender ohne Sendemast? In Ungarn wurde der aus dem selben Jahr stammende Lakihegyi adótorony (Sendeanlage Lakihegy) in der Nähe von Budapest unter Denkmalschutz gestellt und gilt mit seinen 314 Meter Höhe als höchster Sendemast Europas. Man wird sich an die neue Silhouette im Nordwesten Wiens gewöhnen müssen, wenn nur mehr am Kahlenberg der Sendeturm zu sehen ist und der Bisamberg unter den anderen senderlosen Bergen untergehen wird. Der heutige schöne Tag lud zu einem Ausflug ein, von dem eine Fotoreportage über die Sendemasten berichtet…
Als Judendorf-Straßengel und die Steiermark von alttestamenttarischen Fluten wie zu Noahs Zeiten heimgesucht wurden und man den Sonnenschein vergeblich am Horizont suchte, traten wir in unserer Ache die Flucht nach vorne Richtung Süden an.
In Triest erwartete uns der erhoffte Sonnenschein und eine leichte Brise von der Adria am Piazza Grande mit dem Blick über den Hafen und die Mole. Wir saßen auf einer Bank am Ufer, links hinter uns das Gebäude des Triester Lloyd, rechts das Gebäude der Generali – alles noch an seinem Platz wie vor einundneunzig Jahren, als hier der Hafen noch Österreich-Ungarn bediente. Selbst die Buchhandlung am Bahnhof erinnert uns in der Auslage daran, wo Kaiser Franz Joseph neben Sisi, Rudolf, Otto und andere Habsburger mit literarischen Zeitreisen in die Vergangenheit versammelt sind. Was Triest und Wien noch heute verbindet ist nicht nur die Südbahn (leider gibt es keien Direktzüge, welch eine Schande!) und die Autobahn, sondern die Kaffeekultur.
Hier befindet sich mit dem Café Tomasseo das älteste Kaffeehaus des heutigen Italiens, das 1830 von Tomaso Marcato eröffnet wurde. Noch wenn man heute in diesem Kaffeehaus in Thonetstühlen bei gußeisernen Marmortischen sitzt wird man an Wiens Kaffeehäuser erinnert. Doch soviel hier an Wien erinnert, war jenes Cáfe einer der vielen Ausgangspunkte für die Trennung vom Habsburger Vielvölkerstaat und Wien. Um 1848 wurde das Kaffeehaus zum Treffpunkt der italienischen Risorgimentobewegung, die eine nationale Vereinigung Italiens zu einen Staat verfolgte. Jene Idee der nationalen Unabhängigkeit verfolgte auch zu dieser Zeit Lajos Kossuth in Ungarn, der vom Exil aus Giuseppe Garibaldi mit einer Ungarischen Legion an Kämpfern unterstützte. Ungarn unterstützten in Folge eine weitere Revolution in Italien und Triest – die Espressorevolution.
Wurde Kaffee bis 1935 durch aufbrühen und aufgießen zubereitet, erfand der aus Temesvár stammende und in Budapest studierende sowie Wien lebende Ungar Ferenc Illy die mit heißem unter Druck stehendem Dampf funktionierende vollautomatische Espressomaschine. Der erste Weltkrieg brachte ihn zum Isonzo und in Folge nach Triest, wo er eine Triestinerin heiratete und 1933 ein führendes Handelsunternehmen für Kaffee und Kakao aufbaute. Als er 1956 starb übernahm sein Sohn Ernő Illy den Betrieb und führte ihn zum qualitativ weltmarktführenden Erzeuger von Espressokaffee. Selbst Segafredo wurde überflügelt. Heute befindet sich mit András Illy das Unternehmen noch immer in Familienbesitz. Das Geheimnis für seinen exzellenten weltbesten Kaffee begründet die eigene direkte Auswahl der Kaffeebohnenanbaugebiete und wurde erst unlängst bei unabhängigen Tests als geschmacklich und technisch weltbester Kaffee bestätigt.
Der Bahnhof von Nagykanizsa findet seine Erwähnung in einem bekannten ungarischen Lied: Megy a gőzös megy a gőzös Kanizsára, kanizsai, kanizsai állomásra, elöl ül a masiniszta, hátul meg a krumplifejű Kovács Pista, Tisza Pisza, masiniszta.
Zu Deutsch: Fährt die Dampflok, fährt die Dampflok auf nach Kanizsa. Nach Kanizsa, nach Kanizsa zum Bahnhof. Vorne sitzt der Maschinist, hinten der kartoffelköpfige Kovács Pista, Maschinist ist Tisza Pista.
Nagykanizsa ist als solches ein großer Umsteigebahnhof wie Selzthal oder Attnang-Puchheim – dort fährt man im Allgemeinen nicht hin, sondern steigt um. So sahen wir uns an jenem Tag diesen berühmten Bahnhof, der Eingang in die ungarische Liedkunst gefunden hat an. Mit Liedkunst hat auch der Bahnhof von Kecskemét zu tun, indem der berühmte ungarische Komponist Zoltán Kodály zur Welt kam. Dieser wurde jedoch in keinem Lied verewigt.
Die ungarischen Königinnen haben in Veszprém (Wesprim, Weißbrunn) ihre eigene Krönungsstadt. Bereits die Königin und Gemahlin Gisela (Gizella) vom ersten ungarischen König, dem Heiligen Stephan (Szent István Kirlály) wurde bereits hier im Dom mit einer eigenen Königinnenkrone gekrönt. Jene Tradition hielt sich bis zum Einmarsch der Türken 1526 (Mohács). Neben der Krönungsstadt war Veszprém auch der älteste Bischofssitz in Ungarn. Die Basilika hat eine wechselvolle Geschichte, da sie seit ihrer Gründung bis heute nach Zerstörungen (Brände, Erdbeben, Kriege,…) mehrmals neu errichtet wurde. Erst zu Ende des 19. Jahrhunderts wurde versucht die damlige barocke Kirche wieder in den ursprünglichen romansich-gotischen Zustand zu Giselas Zeiten zurückversetzen. Ausschlaggebend war hierfür ein Brand und so sehen wir heute eine Neo-Romanisch-Gotische Kirche. In der Stadt ist auch eine der ältesten ungarischen Universitäten zu finden, die jedoch zu anfänglicher Zeit nicht die traditionellen vier Fakultäten hatte, weshalb Pécs als älteste ungarische Universität gilt. Aus modernerer Zeit stammt das Veszprémi Nemzeti Színház (heute Petőfi Színház), welches der Otto-Wagner-Schüler Medgyaszay István im Sezessions- und Jugendstil errichtete. Den besten Überblick über die Stadt erhält man auf der Spitze des markanten Stadtturmes bzw. Feuerturmes (őrtorony, tűztorony). Ein Eindruck über die Stadt bietet die Fotoreportage…
Am 25. Juni wurde es endlich nach dem Regen soweit warm, dass man sich doch für kurze Zeit in den See trauen konnte. Aber nur kurz, weshalb es ein paar Impressionen rund um den See auf Fotografien gibt. Unter anderem auch von einer verwaisten Lángosbude und dem alten Strand, wo wir früher immer Schwimmen gingen. Weiter zu den Fotos…
Einen imposanten Blick über die Engstelle des Plattensees zwischen Szántód und Tihany bekommt man auf der erst kürzhlich errichteten Autobahnbrücke bei Kőröshegy. Das schaurig-imposante Betonbauwerk mit zahlreichen monströs grauen Stützpfeilern erlaubt einen Blick vom Badacsony bishin über die ganze (!) Halbinsel Tihany mit ihren erloschenen Vulkanbergen und Wäldern. Jene Autobahnbrücke (M7-es autopálya kőröshegyi völgyhíd) spannt einen rund zwei Kilometer langen Bogen über das Tal von Kőröshegy. Während unten das Dorf mit seinen zwei Kirchen (eine hiervon gotisch) schlummert, dröhnt oben der Verkehr am Weg nach Budapest, Siófok oder Nagykanizsa und Kroatien. Man fragt sich, warum so ein kostspielig und nicht gerade ästhetisch anmutendes Brückenwerk hier gebaut werden musste, wo Ungarn in der Pannonischen Tiefebene als brettleben - ohne nennenswerte Berge – gilt. So existieren rings um den Plattensee doch ein paar Hügel – niedrige Berge. Konzipierte man die Autobahn ursprünglich direkt entlang den Sees mit Strecken quer durch die Ortschaften, so besann man sich vor der Fertigstellung vor paar Jahren doch auf eine Lösung abseits der Ortschaften, die jedoch durch die Hügelkette führte, weshalb es dann zu jener “Alpenautobahn” am Balaton kam.
Sie mag für viele Augen ein Schandfleck in der Natur sein, doch hat man von ihr den neusten und einen der schönsten Ausblicke über den Plattensee. Leider gibt es von dieser Aussicht kein Foto, da hohe Eisenpfeiler am Fahrbahnrand ein Stehenbleiben zum Fotografieren verhindern. Wie die Brücke aber verläuft, sieht man auf jenen Fotos…