Der tägliche Blog von Andreas Pöschek
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26. September 2012

Literarische Baustelle in der Ankerbrot-Fabrik

Posted by fuchur in Architektur | Fotografie | Wien

Bauarbeiten AnkerbrotfabrikWo jahrzehntelang Bäcker frühmorgens gestaubte Wecken* im Akkord buken und Semmeln ihre runde Form erhielten hämmern heute Presslufthämmer wilde Geräuschorgien in den Backstein der alten Fabriksbauten. Tortino liest man in dreißig Metern Höhe an einer Wand, ein Artefakt aus vergangenen Tagen. Darunter versammeln sich Maurer zu einer Pause. Zwischen dem hektischen Treiben, den Bohr- und Stemmgeräuschen genießt ein Bauarbeiter das monotone Dröhnen eines Kompressors um in dessen unüberhörbarer Gegenwart zu lesen. Keine kurzlebige informationsdeffizitäre Tageszeitung aus dem Labyrinth der U-Bahnstationen, keine auflagenstarke Massenpresse liegt in den staubigen Händen des Bauarbeiters. Es ist ein Buch. Ein gebundenes Buch, dass der Bauarbeiter liest. In kurzen Abständen wandert sein Blick vom Buch zu den Manometern des Druckluftkompressors um dann wieder in den Seiten zu versinken. Wir trauten uns nicht den Bauarbeiter bei seiner Lektüre zu stören oder ihn von der verantwortungsvollen Aufgabe des Druckprüfens abzulenken, weshalb wir bis heute nicht wissen, welches Buch der Bauarbeiter andächtig las. Dafür haben wir eine Fotoreportage von der Anker-Brotfabrik zusammengestellt…

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