Willkommen bei Fuchur
Das tägliche Blog von Andreas Pöschek
23   Dec

Herr Neumann war einst ein Stammgast der Wiener Kaffeehäuser und hatte seine eigenen Wünsche bezüglich der Zubereitung seines Kaffees. Ein herkömlicher Einspänner (großer schwarzer Mokka mit Schlagobers (Schlagsahne)) war ihm nicht genehm, er verlangte den Kaffee gestürzt – sprich verkehrt serviert. Möchte man seinen Kaffee auf dieser Art genießen, so ist zuerst Schlagobers in ein Glas zu füllen und mit heißem Kaffee zu übergießen. Langsam hebt sich der im Glas befindliche Schlagobers, steigt über die zunehmende Menge Kaffee – wobei sie diesen melangebraun färbt – nach oben um das Kaffeeglas zu krönen. Der Unterschied zum gewöhnlichen Einspänner ist die Mischung des Mokka mit dem Schlagobers – der Kaffee wird braun – wobei beim Einspänner der Kaffee schwarz verbleibt. Den überstürzten Neumann trinkt man ohne umzurühren durch die Schlagobersschicht hindurch. Im Gegensatz zum Pharisäer wird kein Alkohol beigemengt.

So bereitet man den Überstürzten Neumann zu:

Im heutigen Kaffeehaus hört man meist entweder die Stimmenvielfalt der anderne Gäste oder ein Klavier. Zu Bachs Zeiten wurden auch Kantaten für Kaffeehäuser geschrieben und zu Werbezwecken gesungen, wie Johann Sebastian Bachs humorvolle Kaffeekantate aus dem Jahre 1732 zeigt:

Ei! wie schmeckt der Coffee süße,
Lieblicher als tausend Küsse,
Milder als Muskatenwein.
Coffee, Coffee muss ich haben,
Und wenn jemand mich will laben,
Ach, so schenkt mir Coffee ein!

Die Jungfern bleiben Coffeeschwestern.
Die Mutter liebt den Coffeebrauch,
Die Großmama trank solchen auch,
Wer will nun auf die Töchter lästern!

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05   Jul

Triest Piazza d Unita - Piazza GrandeAls Judendorf-Straßengel und die Steiermark von alttestamenttarischen Fluten wie zu Noahs Zeiten heimgesucht wurden und man den Sonnenschein vergeblich am Horizont suchte, traten wir in unserer Ache die Flucht nach vorne Richtung Süden an.

In Triest erwartete uns der erhoffte Sonnenschein und eine leichte Brise von der Adria am Piazza Grande mit dem Blick über den Hafen und die Mole. Wir saßen auf einer Bank am Ufer, links hinter uns das Gebäude des Triester Lloyd, rechts das Gebäude der Generali – alles noch an seinem Platz wie vor einundneunzig Jahren, als hier der Hafen noch Österreich-Ungarn bediente. Selbst Triest - Trst - Trieste - Venetien und Friauldie Buchhandlung am Bahnhof erinnert uns in der Auslage daran, wo Kaiser Franz Joseph neben Sisi, Rudolf, Otto und andere Habsburger mit literarischen Zeitreisen in die Vergangenheit versammelt sind. Was Triest und Wien noch heute verbindet ist nicht nur die Südbahn (leider gibt es keien Direktzüge, welch eine Schande!) und die Autobahn, sondern die Kaffeekultur.

Hier befindet sich mit dem Café Tomasseo das älteste Kaffeehaus des heutigen Italiens, das 1830 von Tomaso Marcato eröffnet wurde. Noch wenn man heute in diesem Kaffeehaus in Thonetstühlen bei gußeisernen Marmortischen sitzt wird man an Wiens Kaffeehäuser erinnert. Doch soviel hier an Wien erinnert, war jenes Cáfe einer der vielen Ausgangspunkte für die Trennung vom Habsburger Vielvölkerstaat und Wien. Um 1848 wurde das Kaffeehaus zum Treffpunkt der italienischen Risorgimentobewegung, die eine nationale Vereinigung Italiens zu einen Staat verfolgte. Jene Idee der nationalen Unabhängigkeit verfolgte auch zu dieser Zeit Lajos Kossuth in Ungarn, der vom Exil aus Giuseppe Garibaldi mit einer Ungarischen Legion an Kämpfern unterstützte. Ungarn unterstützten in Folge eine weitere Revolution in Italien und Triest – die Espressorevolution.

Café Tomasseo TriesteWurde Kaffee bis 1935 durch aufbrühen und aufgießen zubereitet, erfand der aus Temesvár stammende und in Budapest studierende sowie Wien lebende Ungar Ferenc Illy die mit heißem unter Druck stehendem Dampf funktionierende vollautomatische Espressomaschine. Der erste Weltkrieg brachte ihn zum Isonzo und in Folge nach Triest, wo er eine Triestinerin heiratete und 1933 ein führendes Handelsunternehmen für Kaffee und Kakao aufbaute. Als er 1956 starb übernahm sein Sohn Ernő Illy den Betrieb und führte ihn zum qualitativ weltmarktführenden Erzeuger von Espressokaffee. Selbst Segafredo wurde überflügelt. Heute befindet sich mit András Illy das Unternehmen noch immer in Familienbesitz. Illy KaffeeDas Geheimnis für seinen exzellenten weltbesten Kaffee begründet die eigene direkte Auswahl der Kaffeebohnenanbaugebiete und wurde erst unlängst bei unabhängigen Tests als geschmacklich und technisch weltbester Kaffee bestätigt.

Weiter zur Fotoreportage aus Triest…

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06   May

Alida und Jozsef im Café PrückelAlida und Jozsef kamen auf ihrer Reise von Prag und Budapest auch in Wien vorbei und besuchten mich für einen Tag. Was kann man in Wien anderes machen als in Kaffeehäuser gehen – und dann ins Prückel? Zuerst vielleicht noch Wiener Schnitzel essen und nocheinmal ins Kaffeehaus gehen. Ein Fotobericht…

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24   Jun

Maria Theresia Julius Meinl Café Kaffeehaus Museum Euro 2008 Hofburg Burgtor StatueDank Euro 2008 bekommt man die Gelegenheit auf der erhöhten Terrasse des Meinl Cafés zwischen dem Naturhistorischen und Kunsthistorischen Museum vor der Hofburg mit Maria Theresia in Augenhöhe Kaffee in ihrer Gegenwart zu genießen. Eine lange Rampe führt den Weg ins 3. Stockwerk hinauf, wo man eine bisher noch nicht dagewesene Aussicht aus der Perspektive Maria Theresias über das Burgtor hinweg in die Innenstadt und zur Hofburg erhält. Der Kaffee ist ausgezeichnet, nur eines hat man nicht – so einen bequemen Lehnsessel wie Maria Theresia. Auf Wiedersehen Graf von Kauniz, Van Swieten und ihre Kollegen – wir sehen uns beim nächsten Kaffee mit Eurer Majestät – vorher gibt es noch die Fotos vom Café und Maria Theresia…

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30   May

Studentinnen aus Hamburg mit mir im Café Prückel in Wien auf der RingstraßeZu einem standesgemäßen Wienbesuch gehört auch mindestens ein Besuch der Institution des Wiener Kaffeehauses. Doch wohin als IP Ursula Teilnehmer, wenn man den Touristenströmen entfliehen möchte? Na ins Prückel! Dem Studentencafé im Stil der 50er schlechthin. Während die Hamburger Studentinnen im Schanigarten des Café Prückel Topfenstrudel und Melange durch einen echten Wiener Ober samt Schani* am Nachmittag kredenzt bekamen waren die Studenten aus Paris und Padua Im Café Phil beim Lesen: Elena und Esterim Phil, dem Café für philosophisch-literarisch veranlagte Studenten in der Gumpendorferstraße bis zur Sperrstunde zu Gast. Tom kam auch noch mit Evi dazu – so gab es ein großes Wiedersehen der Pariser Studentinnen Nina, Elena mit Tom, die sich noch von Toms Auslandssemester an der Sourbon III von 2006 kannten. Aber woher kannten die Studentinnen aus Paris das Phil? Jenes gilt bei Franzosen als Geheimtipp für Wienbesuche – selbst der französische Lonely Planet erwähnt es als Insidertipp. Und hier die Fotoberichte – diesesmal zwei getrennte Reportagen:

Stadtschlaining Schlaininger Stube StubnPS: Ach ja, und da wäre noch die Schlaininger Stube – dort kehrten wir in Stadtschlaining zu einem Kaffee ein, wenn wir den Automatenkaffe bereits satt hatten. Ein von außen eher nüchtern wirkendes Gasthaus, was jedoch dann im Inneren mit einem urigen Ambiente und Küche auf gehobenen Niveau aufwartet. Hier ein paar Fotos aus der Schlaininger Stubn

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