Der tägliche Blog von Andreas Pöschek
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5. Juli 2009

Triest – k. u. k. Feeling und Kaffeerevolution an der Adria

Posted by fuchur in Österreich | Italien | Kultur | Länder & Reisen | Reisen | Ungarn

Triest Piazza d Unita - Piazza GrandeAls Judendorf-Straßengel und die Steiermark von alttestamenttarischen Fluten wie zu Noahs Zeiten heimgesucht wurden und man den Sonnenschein vergeblich am Horizont suchte, traten wir in unserer Ache die Flucht nach vorne Richtung Süden an.

In Triest erwartete uns der erhoffte Sonnenschein und eine leichte Brise von der Adria am Piazza Grande mit dem Blick über den Hafen und die Mole. Wir saßen auf einer Bank am Ufer, links hinter uns das Gebäude des Triester Lloyd, rechts das Gebäude der Generali – alles noch an seinem Platz wie vor einundneunzig Jahren, als hier der Hafen noch Österreich-Ungarn bediente. Selbst Triest - Trst - Trieste - Venetien und Friauldie Buchhandlung am Bahnhof erinnert uns in der Auslage daran, wo Kaiser Franz Joseph neben Sisi, Rudolf, Otto und andere Habsburger mit literarischen Zeitreisen in die Vergangenheit versammelt sind. Was Triest und Wien noch heute verbindet ist nicht nur die Südbahn (leider gibt es keien Direktzüge, welch eine Schande!) und die Autobahn, sondern die Kaffeekultur.

Hier befindet sich mit dem Café Tomasseo das älteste Kaffeehaus des heutigen Italiens, das 1830 von Tomaso Marcato eröffnet wurde. Noch wenn man heute in diesem Kaffeehaus in Thonetstühlen bei gußeisernen Marmortischen sitzt wird man an Wiens Kaffeehäuser erinnert. Doch soviel hier an Wien erinnert, war jenes Cáfe einer der vielen Ausgangspunkte für die Trennung vom Habsburger Vielvölkerstaat und Wien. Um 1848 wurde das Kaffeehaus zum Treffpunkt der italienischen Risorgimentobewegung, die eine nationale Vereinigung Italiens zu einen Staat verfolgte. Jene Idee der nationalen Unabhängigkeit verfolgte auch zu dieser Zeit Lajos Kossuth in Ungarn, der vom Exil aus Giuseppe Garibaldi mit einer Ungarischen Legion an Kämpfern unterstützte. Ungarn unterstützten in Folge eine weitere Revolution in Italien und Triest – die Espressorevolution.

Café Tomasseo TriesteWurde Kaffee bis 1935 durch aufbrühen und aufgießen zubereitet, erfand der aus Temesvár stammende und in Budapest studierende sowie Wien lebende Ungar Ferenc Illy die mit heißem unter Druck stehendem Dampf funktionierende vollautomatische Espressomaschine. Der erste Weltkrieg brachte ihn zum Isonzo und in Folge nach Triest, wo er eine Triestinerin heiratete und 1933 ein führendes Handelsunternehmen für Kaffee und Kakao aufbaute. Als er 1956 starb übernahm sein Sohn Ernő Illy den Betrieb und führte ihn zum qualitativ weltmarktführenden Erzeuger von Espressokaffee. Selbst Segafredo wurde überflügelt. Heute befindet sich mit András Illy das Unternehmen noch immer in Familienbesitz. Illy KaffeeDas Geheimnis für seinen exzellenten weltbesten Kaffee begründet die eigene direkte Auswahl der Kaffeebohnenanbaugebiete und wurde erst unlängst bei unabhängigen Tests als geschmacklich und technisch weltbester Kaffee bestätigt.

Weiter zur Fotoreportage aus Triest…

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