Der tägliche Blog von Andreas Pöschek
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6. Juli 2008

Wurstelprater: Von der Schießbude zur teuersten Kitschbude

Posted by fuchur in Architektur | Politik | Wien

Wiener Riesenrad im Prater WurstelpraterDer Wiener Wurstelprater ist ein historisch gewachsener Ort mit Geschiche – von Basileo Calafati über den Wurstel und dem Riesenrad verbindet viel mit diesem Vergnügungspark, der durch seine Nostalgie und seinem zum Teil alten morbid-wienerischen Charakter bestach. Bestach? Ja, denn wer jetzt seit 2008 den Prater besucht wird von jenem Flair nicht mehr viel spüren. Der Platz, an dem Basileo Calafati einst sein Ringelspiel betrieb und nach dem Krieg als Andenken die Statue des „Großen Chinese“ Calafati die Wurstelpraterbesucher begrüßte und rundherum sich Autodrom neben Geisterbahn, Ringelspiel und Hochschaubahn reihten regiert jetzt der Kitsch in höchster Konzentration. Selbst der nach modernen prinzipien mit einer stilvollen Architektur kurz nach 2000 gestalteten Eingangshalle des Riesenrades wurde hinter einer Kulisse aus Jungendstilimitationen in billigem Papmaché kaschiert. Klimt, Loos, Otto Wagner und die ganze Wiener Werkstätte würde sich im Grab umdrehen, wenn sie jenes architektuelle Kulturjuwel aus Grete Laskas Ideenreichtum zu Gesicht bekämen – dies blieb ihnen erspart. Fotos gibt es von jenem sogenannten neuen Riesenradplatz keine – das sind sie einfach nicht Wert – genausowenig wie die 32 Millionen Euro, die Schaffung jener Kulissenstadt investiert wurde. Ohne Ausschreibung und ohne Wettbewerb – denn zweifelsohne wäre so eine Kitschbude im Falle eines Wettbewerbes nicht weiter als über das Planungsstadium hinausgekommen.

Wurstelprater Wiener Prater Hochschaubahn RiesenradMit einer gewissen Herausforderung wartet jener neue Riesenradplatz seinen Besuchern auf: Als potentieller vergnügungssuchender Mensch findet man den Eingang nicht so einfach von der neuen U-Bahnstation am Praterstern kommend wie bisher. Konnte man sich noch vor dem Umbau am Riesenrad orientieren ist dieser Hinweis jetzt nicht mehr ganz zielführend. Ob es Absicht ist die Besucher so zuerst durch den Irrgarten der Ampeln und Übergänge der größten Kreuzung Wiens im Kreis zu leiten ist fraglich. Findet man dann trotz der Irrwege den richtigen Pfad zum Wurstelprater, schreitet man über einen dunklen, kaum beleuchteten Weg flankiert von einer Tankstelle links, einer großen scheppernden U-Bahnentlüftung rechts und einigen anderen Containern beidseitig zum Riesenradplatz, wo mit großen Lettern „Herrrreinspaziert“ über dem Portal zu lesen ist.  Der Zugang, ein herber Kontrast und Willkommensgruß zur Kitschbude, wo jener Weg im 32 Milliionen Desaster endet.

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